02.06.2010 - Aphorismen > Eigene

Eigene

Wer sich nur noch über Dinge ärgert, die er ändern kann, lebt wahrscheinlich dauerhaft gesünder. Ein guter Vorsatz.

Wo die Angst groß ist, kann die Freiheit nur klein sein.

Wir Menschen wissen oft erst dann Dinge und Menschen zu schätzen, wenn sie
nicht mehr da sind.

Was ist eigentlich das Gegenteil von „Sternstunde der Menschheit“?
Vielleicht „Horrorstunde“ oder „Schandestunde“? Da gibt es offensichtlich
eine Lücke in unserem Wortschatz.

Mitfühlen ist die Basis von Gerechtigkeit.

Innere Freiheit meint, bei sich zu sein anstatt außer sich.

Wir leben mehr in den Dingen als in uns selbst. Das ist Teil des
Menschenbildes im Kapitalismus, der nicht nur die Unersättlichkeit
menschlicher Bedürfnisse predigt, sondern den Menschen auch beibringt, sich
in erster Linie über seinen Besitz zu definieren. Dabei können uns diese
leblosen Dinge rein nichts von dem geben, was wir am meisten brauchen:
Ansprache, Wärme und Zuwendung.

Auf alle wichtigen Fragen des Lebens kann es immer nur eine Antwort geben:
deine eigene.

Die Welt ist viel zu schön und kostbar, um sie Ausbeutern und
Menschenschindern zu überlassen.

Der Mensch ist ein Wesen im Zustand permanenter Gärung.

Was mit unserer Gesellschaft geschieht, könnte man als Zerfransung
bezeichnen. Überall gehen Maßstäbe und gegenseitige Rücksichtnahmen
verloren.

Dienen entbindet nicht von Schuld(fähigkeit). Man bleibt immer
verantwortlich für sein Tun. Es gibt keinen gewissensfreien Raum.

Man kann niemandem vorwerfen, woher er kommt, aber sehr wohl entgegenhalten,
dass er kein Recht hat, seine kulturell geprägten Sichtweisen zum Maßstab
aller anderen zu machen.

Das Leben nimmt die Form an, die es geboten bekommt.

Wer nicht rechtzeitig vor-denkt, muss irgendwann nach-denken.

Man muss sein Leben von der Erkenntnis der Gewissheit des Todes aufrollen.
Das Gefühl wird dann intensiver.

Die Welt ist das, was wir daraus machen. Und wir Menschen sind das, was wir
werden wollen. Darin liegt auch unsere Freiheit beziehungsweise
Verantwortung.

Wirklich frei bist du, wenn niemand und nichts Macht über deine Gedanken und
Gefühle erringen kann. Du selbst musst darüber die Kontrolle behalten. Angst
bedeutet, dass etwas schon Besitz von Dir ergriffen hat.

Alles Denken wirkt sich auf das Unterbewusstsein aus. Wir konditionieren uns
fortwährend selbst ­ – optimistisch oder pessimistisch. Man kann diesen
psychomentalen Mechanismus für sich nutzen.

Ein Idealist ist ein Mensch, der sich die Vorstellung bewahrt hat, dass die
Welt besser sein könnte, als sie gegenwärtig ist. Was soll daran schlecht
sein?

Das Leben ist ein Geschenk, über das man sich jeden Tag freuen darf.

Die Beurteilung eines Menschen durch andere haftet ein starker Zug von
Anmaßung an. Denn wenn man sich selber nicht wirklich zu fassen vermag,
warum sollte das dann ausgerechnet bei anderen gelingen?

Vor lauter Angst kommt mancher nicht zum Leben.

Angepasste haben die Welt noch nie vorangebracht.

Ich lebe nicht nur für mich, sondern will auch für andere etwas tun.

Schreiben ist für mich ein unverzichtbarer Akt der täglichen Psychohygiene.
Irgendwer sagte einmal: Man kann gar nicht so viel fressen, wie man kotzen
möchte. Der Mann hatte Recht.

Wenn jeder nur an sich selber denkt, denkt niemand an das Ganze.

In deinem Leben ist so viel Sinn, wie du ihm zu geben vermagst.

Niemand kann wirklich wissen, was für andere gut ist.

Ich träume davon, dass es kein Mensch nötig hat, andere zu beschränken, um
daraus Selbstbewusstsein zu saugen.

Philosophisches Paradoxon: Wenn man leer ist, ist man voll.

Ein schöner Grundsatz im Leben: Das Gute, das einem selbst durch andere
zuteil wurde, muss man weitergeben.

Im ganz Kleinen lässt sich häufig ganz Großes entdecken.

Wir müssen über unser eigenes Dasein hinausdenken.

„Weltverbesserer“ haben nur deshalb so ein negatives Image, weil meistens
die „Weltverschlechterer“ in der Mehrzahl sind. Das ist ein klarer Fall von
übler Nachrede.

Ein Problem ist etwas, dessen Lösung im Moment noch verborgen liegt. Mehr
nicht.

Man sollte seine Bekanntheit nie mit Wertschätzung verwechseln.

Es ist eine menschliche Tragik, dass wir Glück oft erst zu erkennen
vermögen, wenn es uns schon wieder verlassen hat.

Jeder ist sein eigener Kompass.

Der schwierigsteTeil jeder Sache ist stets der erste Schritt.

Das Tor zur Freiheit heißt Bildung.

Bildung ist ein Besitz, den man überall mit hinnehmen kann.

Die Richtigkeit einer Sache kann man nicht an der Anzahl der Claqueure ablesen.

Hinter Zahlen und Fakten stehen immer Menschen und Schicksale, um die es
geht.

Gutes Projekt: Werden Sie wieder der charmante Mensch, der Sie einmal waren.
Nichts ist unmöglich.

Leben heißt vor allem lernen. Wer das nicht will, ist schon tot.

Am Umgang mit dem zerbrechlichen Einzelnen macht sich das Maß der Humanität
einer Gesellschaft und Kultur fest.

Wer begriffen hat, dass er seinem eigenen Stern folgen muss, sieht keinen
Sinn darin, sich mit anderen vergleichen zu wollen. Wozu soll das gut sein?

Menschen erkennt man nicht an ihren Bekenntnissen, sondern ausschließlich
an ihrem Handeln.

Wenn du nichts tust, tust du auch etwas.

Schweigen ist Mitmachen.

Angst ist dazu da, dass man sie überwindet. Sie ist das Nadelöhr, durch das
man muss, wenn man seine Freiheit zurückgewinnen will.

Wir können die Vergangenheit nicht mehr ändern. Wie die Zukunft werden wird,
haben wir dagegen in unserer Hand.

Wenn sich alle Menschen einen Bruchteil ihres Tageswerkes um Gerechtigkeit
kümmern würden, wäre unsere Welt viel liebenswerter.

Negative wie positive Gedanken erschaffen Realität.

Manchmal reicht die Sprache nicht an das heran, was man eigentlich mitteilen möchte.

Wohlstand gibt es nicht ohne Wachstum, aber auch keinen sozialen Frieden ohne Verteilungsgerechtigkeit.

Wenn wir das Individuum aus den Augen verlieren, verlieren wir das Ziel einer humanen Gesellschaft aus den Augen.

Die Zukunft der Menschheit beruht auf einer menschlichen Zukunft.

Da niemand weiß, was nach dem Tod kommt, muss die Frage als vorläufig nicht entscheidbar offen bleiben.

Die Spannbreite des Menschen: Wir können Monster sein, aber auch Engel!

Alles Reden nützt nichts, wenn kein Vertrauen da ist.

Jede Krise gibt uns die Chance, Tore der Erkenntnis zu öffnen, die sonst geschlossen gewesen wären.

Der Mensch will leben, aber nicht um den Preis seiner Menschlichkeit.

Das Gegenteil von Vielfalt ist Einfalt.

In der Provinz zu leben bedeutet nicht provinziell zu sein

Wir Menschen brauchen ein Korrektiv zu unserer auch oft genug vorhandenen Kleingeistigkeit, Missgunst und sogar Gemeinheit. An das Gute und Schöne (Schiller) zu glauben, hebt uns auch sittlich.

Eine Sache ist erst dann wirklich erledigt, wenn sie gerecht geregelt wurde.

Die höchsten Berge, die wir erklimmen können, sind die Ängste, uns zu überwinden, neue Dinge anzupacken.

Mit jedem Menschen entsteht und vergeht eine Welt.

Jede Tradition wurde als Innovation geboren. Und was passierte dann?

Die Zerstörung der Gesellschaft beginnt mit der Zerstörung des Vertrauens.

Schweigen kann auch heißen, dass man mit sich selber spricht.

Was ist eigentlich wichtig?

Ich kenne mich selbst kaum. Wie soll man da andere kennen?

Es gibt immer einen Weg, auch wenn du ihn jetzt noch nicht siehst.

Es kommt nicht darauf, wie lange, sondern was gelebt wurde.

Lasst Gott aus dem Spiel! Es kann für Eure Verbrechen nichts!

Jeder kann in sich etwas Unbehauenes entdecken, das Aufmerksamkeit verdient.

Leben meint vor allem Erleben.

Der geringe Aufwand, der nötig ist, Vorurteile scheinbar zu bestätigen, steht in keinem Verhältnis zu den Anstrengungen, sie zu erschüttern.

Du darfst in deinem Leben auch glücklich sein!

Verantwortung meint im Wortsinn, Mitmenschen Antworten auf ihre Fragen zu geben.

06.05.2010 - Arbeiten > Völkerkunde / Interkulturelles Lernen / Reisen > Texte

DIE TRAUMZEIT ENDET NIE

(Vortrag, 6.02.2009, Weimar)
Es freut mich, dass ich hier heute einen Vortrag halten darf, zu dem ich wie weiland die „Jungfrau Maria zum Kinde“ gekommen bin. Vor zwei Wochen wusste ich noch nichts davon. Der Kontakt lief über die „Gesellschaft für bedrohte Völker“ in Göttingen. Im März veröffentlichen sie einen Text von mir über neuere Entwicklungen bei den Ureinwohnern in Nordaustralien. Vor ziemlich genau 20 Jahren habe ich in „pogrom“ meine erste journalistische Arbeit überhaupt veröffentlichen dürfen. Diese handelte von den als militärische Fährtenleser im Kampf gegen die SWAPO missbrauchten „Buschmännern in der Kalahari“, die ich damals noch als Wissenschaftler des Übersee-Museums in Bremen besucht hatte. Ich war zu jener Zeit spezialisiert auf „Wildbeuter“, das heißt Jäger und Sammlerinnen-Kulturen, die mich vor allem deshalb interessierten, weil die Menschheit in ihrer langen Geschichte mehr als 99 Prozent dieser Zeit in just diesem Kulturmodell gelebt – und man darf hinzufügen: nachweislich überlebt hat. Die sogenannte „Hochkultur“ und deren letzte Erfindung: die entfesselte „freie Marktwirtschaft“ sind dagegen nur ein Wimpernschlag in der Geschichte. Wie dieses Experiment ausgehen wird, das uns zwar Reichtum und Wohlstand beschert, aber auch den blauen Planeten an den Rand einer ökologischen Katastrophe gebracht hat, ist noch offen. Erst in dieser Woche hat das EU-Parlament die Bürgerinnen und Bürger zu deutlich mehr Anstrengungen beim Energiesparen aufgefordert. Dazu müssten sich die Europäer auf eine Änderung ihrer Lebensgewohnheiten einstellen, hieß es. Nötig sei „der Einstieg in eine nachhaltige Produktions- und Konsumweise“. Schön gesagt. Tatsache ist jedoch: Eine Null-Emissionswirtschaft zeichnet sich nirgendwo ab – und mit der „Globalisierung“ kommen weitere Milliarden Menschen dazu, die auch karbongetriebene Autos wie den indischen „1700-Euro-Tata“ als Zeichen ihres sozialen Aufstiegs begreifen – was sie tragischerweiser von uns gelernt haben.

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23.04.2010 - Arbeiten > Völkerkunde / Interkulturelles Lernen / Reisen > Bilder

Australien

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23.04.2010 - Arbeiten > Politik / Gesellschaft / Zeitgeschichte > Texte

Buchprojekt: Keine Angst vor den Angstmachern

Kurzbeschreibung:
Viele Menschen meiner Generation (Jahrgang 1961) sind vor 25 Jahren mit der Hoffnung angetreten, die Welt könnte besser, das heißt gerechter und gesünder werden. Tatsächlich ist sie seitdem ungerechter und gefährdeter geworden. „Unterschiedsgesellschaft“ war im Jahr 2006 Wort des Jahres in Japan. Das habe als Startschuss genommen, mich etwas genauer mit diesem Trend und der voranschreitenden Ökonomisierung der Gesellschaft zu beschäftigten. Dann kam der Beinahezusammenbruch der Finanzmärkte, der viele meiner Überlegungen und Befunde bestätigte. Allerdings sind große Teile unserer Eliten noch immer nicht bereit, die aktuelle Wirtschaftskrise als fundamentale Sinnkrise des Kapitalismus und seines Menschenbildes zu deuten. Wir brauchen im Zeitalter der Globalisierung weltweit ein neues Denken, um die Herausforderungen der Zukunft (mehr Verteilungsgerechtigkeit, Lösung der Weltumweltkrise, Entschärfung der Wertekonflikte zwischen Kulturen) gemeinsam meistern zu können. Anregungen dazu will ich in meinem Buchprojekt „Keine Angst vor den Angstmachern!“ liefern.

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