06.05.2010 - Arbeiten > Völkerkunde / Interkulturelles Lernen / Reisen > Texte

Die Traumzeit endet nie

(Vortrag, 6.02.2009, Weimar)
Es freut mich, dass ich hier heute einen Vortrag halten darf, zu dem ich wie weiland die „Jungfrau Maria zum Kinde“ gekommen bin. Vor zwei Wochen wusste ich noch nichts davon. Der Kontakt lief über die „Gesellschaft für bedrohte Völker“ in Göttingen. Im März veröffentlichen sie einen Text von mir über neuere Entwicklungen bei den Ureinwohnern in Nordaustralien. Vor ziemlich genau 20 Jahren habe ich in „pogrom“ meine erste journalistische Arbeit überhaupt veröffentlichen dürfen.
Diese handelte von den als militärische Fährtenleser im Kampf gegen die SWAPO missbrauchten „Buschmännern in der Kalahari“, die ich damals noch als Wissenschaftler des Übersee-Museums in Bremen besucht hatte. Ich war zu jener Zeit spezialisiert auf „Wildbeuter“, das heißt Jäger und Sammlerinnen-Kulturen, die mich vor allem deshalb interessierten, weil die Menschheit in ihrer langen Geschichte mehr als 99 Prozent dieser Zeit in just diesem Kulturmodell gelebt – und man darf hinzufügen: nachweislich überlebt hat. Die sogenannte „Hochkultur“ und deren letzte Erfindung: die entfesselte „freie Marktwirtschaft“ sind dagegen nur ein Wimpernschlag in der Geschichte. Wie dieses Experiment ausgehen wird, das uns zwar Reichtum und Wohlstand beschert, aber auch den blauen Planeten an den Rand einer ökologischen Katastrophe gebracht hat, ist noch offen. Erst in dieser Woche hat das EU-Parlament die Bürgerinnen und Bürger zu deutlich mehr Anstrengungen beim Energiesparen aufgefordert. Dazu müssten sich die Europäer auf eine Änderung ihrer Lebensgewohnheiten einstellen, hieß es. Nötig sei „der Einstieg in eine nachhaltige Produktions- und Konsumweise“. Schön gesagt. Tatsache ist jedoch: Eine Null-Emissionswirtschaft zeichnet sich nirgendwo ab – und mit der „Globalisierung“ kommen weitere Milliarden Menschen dazu, die auch karbongetriebene Autos wie den indischen „1700-Euro-Tata“ als Zeichen ihres sozialen Aufstiegs begreifen – was sie tragischerweiser von uns gelernt haben.


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