21.02.2011 - Rezension/Kritik

Rezension im Schwarzwälder Bote, 19.02.2011 “Wo eine einfache Geschichte zum Erlebnis wird”

Thomas Ducks erklärt in der Kinderuniversität im Centralkino das Werden des Menschen
Von Bodo Schnekenburger

Rottweil. Klar, sind wir Menschen. Und auch die Sache mit den Neandertalern kennen die Teilnehmer der Kinderuniversität zumindest ein bisschen. Früher haben die gelebt und ausgestorben seien sie. Wann?
Das ist jedenfalls lange her. Doch wie jung diese Geschichte ist, sollte gestern im Centralkino erst nach und nach deutlich werden. Der Ethnologe Thomas Ducks erzählt eine Geschichte der Menschheit, die nicht nur 2,5 Millionen Jahre zurück reicht, wie zunächst angekündigt, sondern noch ein Stückchen weiter zurück reicht.

Den Übergang markiert ein Foto aus Afrika, die neue Heimat des aufrecht gehenden und ein bisschen intelligenteren Affen, die dem kleiner werdenden Dschungel den Rücken kehrten. Das Bild sehe so aus, was Menschen auch heute noch malen, wenn sie von einem Paradies geträumt haben, berichtet der Dozent seinen mehr als 200 Studierenden. Saftig grünes Gras, das etwa einen Meter hoch wächst, Baumsolitäre in einer Hügellandschaft. Da lässt es sich aushalten. Und von da war es zeitlich zwar ein sehr langer Weg bis hin zu den Neandertalern, doch sind die Beziehungen erstaunlich kurz und direkt.

Ducks selbst tritt als Steinzeitmensch auf, der viel vom Neandertaler gelernt hatte. Nicht nur präzise Schleuderwaffen hatte er mit dabei, Versorgungscontainer in Form von Straußen-Ei und Lederbeutel, Gegenstände zur Feuerherstellung und zur musikalischen Unterhaltung, sondern auch Kleidung, die er in Zusammenarbeit mit dem Lederkünstler Gerhard Lauchert aus Neufra auf Grundlage archäologischer Vorbilder erarbeitet hat. Übrigens streng nach den Fertigkeiten er Neandertaler, von denen unsere Vorfahren viel übernommen haben.

Nicht nur mit solchen Details gelingt es Ducks, sein junges Publikum zu begeistern. Es sind die immer wieder erstaunlich knappen Linien, die zwischen damals und heute liegen – oder besser: die Art, in der Ducks diese Linien herauspräpariert -, die den Kindern die Menscheitsgeschichte nahe bringen und zeigen, wo diese Linien bis in die heutige Entwicklungsstufe erkennbar sind. Das schließt Rückschlüsse auf falsche Verhaltensweisen bis in unseren Alltag heute übrigens nicht aus.