27.12.2011 - Presse

Doch lieber Lehrer? – Artikel von Klaus Dremel* und Martin Himmelheber in der Kontext Wochenzeitung

Die Leser baden-württembergischer Zeitungen müssen sich weiter auf dünne Ausgaben einstellen. Der Grund: die Journalisten setzen ihren Streik fort. Zuletzt haben sie das mit einer Busfahrt von Stuttgart nach Oberndorf gemacht, zum Sitz des “Schwarzwälder Boten”. Ein Reisebericht.

Ich hätte nicht Journalist werden müssen. Gymnasiallehrer wäre auch gegangen. Vielleicht sogar Unternehmensberater oder irgendetwas in einem Ministerium. Meine Ausbildung hätte all das hergegeben. Aber es kam anders. Und jetzt sitze ich mit 60 anderen Journalisten in einem Bus, und wir fahren zum Streik.

Lehrer und Ministeriale dürfen nicht streiken, Berater tun das sowieso nie, und auch Journalisten haben normalerweise etwas gegen Arbeitskampf. Meist sind sie zurückhaltend. In ihrem Innern fühlen sie sich oft ein bisschen elitär, denn in ganz Deutschland gibt es nur 14 000 von ihnen, und außerdem erklären sie den Menschen mit ihren Artikeln jeden Tag die Welt. Wer macht das sonst schon? In der Masse mitlaufen, Fahnen schwingen, Parolen skandieren und einsilbige Forderungen stellen ist ihnen suspekt. Deswegen sind Journalisten in der Vergangenheit selten auf die Straße gegangen. Und deswegen fühlt es sich sonderbar an, zum Streik zu fahren.

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