Ich wurde 1961 in Nordhorn an der holländischen Grenze geboren. Nordhorn war damals ein prosperierendes Zentrum der Textilindustrie in Deutschland Meine Eltern sind dort als Arbeiter beschäftigt gewesen. Dieses Arbeitermilieu hat mich zunächst geprägt. Die Hauptschule und danach eine Lehre in der Fabrik, ­so sah die Zukunft für uns Kinder von der „Blanke“ (Arbeiterviertel) aus. Meine Schulzeit verlief entsprechend. Unser Rektor, ein ehemaliger Wehrmachtsoffizier mit Russland-Erfahrung, hämmerte uns zuweilen ein, dass wir „Abschaum“ seien, dazu bestimmt, die Fabriksäle zu bevölkern. Das mag für Sie befremdlich klingen, aber das war für mich in den sechziger und frühen siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts traurige Realität. Als „Unterprivilegierter“ ist mir Gerechtigkeit – das heißt das Recht auf gleiche Lebenschancen, unabhängig von der Vermögensausstattung der Eltern – immer ein besonderes Anliegen gewesen. „Wer nicht nach Gerechtigkeit fragt, ist moralisch tot“, meinte der schwarze US-Bürgerrechtler Martin Luther King. Recht hatte er.

Übrigens bedeutete Schule damals für „Linkshänder“ (wie ich einer bin) auch gewaltsame Umerziehung; angemessener wäre es, von Vergewaltigung zu sprechen. Glücklicherweise war ich innerlich stark genug, trotz dieses Systems nicht zu scheitern wie viele andere, sensiblere Naturen. Der Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse hat dieses Drama in seinem Roman „Unterm Rad“ treffend beleuchtet.

Ich schob die Realschule hinterher, danach wechselte ich für drei Jahre auf das Gymnasium. In Freiburg im Breisgau studierte ich von 1981 bis 1985 Politik und Ethnologie (Völkerkunde) mit Abschluss Magister. Nach drei Jahren „Hausmann“ mit zwei Kleinkindern starte ich auch beruflich durch: Ich bekam eine Stelle am Überseemuseum in Bremen, für das ich unter anderem monatelang im südlichen Afrika Material sammelte.

Die Ethnologie hat meine intellektuelle Entwicklung immens beeinflusst. Wie seinerzeit das Abitur (als Ticket in die Freiheit) mir gestattet hatte, meine Geburtsheimatstadt zu verlassen, so erlaubte mir die Völkerkunde, auch mein Europäertum kritisch zu hinterfragen. Im Spiegel des Fremdkulturellen sieht man das eigene Vertraute plötzlich mit ganz anderen Augen. Die naive Selbstgewissheit schwindet. Das Fremde-Andere schärft die Wahrnehmung für die eigene kulturelle Konditionierung und erzieht zu Toleranz, worunter ich allerdings nicht Beliebigkeit verstehe, denn es gibt auch Untolerierbares. Kulturtradition ist meines Erachten kein Persilschein für Verbrechen gegen die Menschenwürde. Ich habe dazu 2003 das Buch „Von weißen Wilden und wilden Weißen“ geschrieben (siehe Texte)

Der „aufgeklärte Bürger“ der Zukunft, wie ich ihn mir vorstelle, ist ein Mensch, der um die relative Gültigkeit seiner „Wahrheiten“ weiß und auch die anregende – weil zur Selbstüberprüfung auffordernde – Spannung aushält, die mit Vielfalt (anstatt Einfalt!) nun einmal verbunden ist. Das ist das Gegenteil von geistiger Eindimensionalität, deren ungeheures Potenzial an Destruktivität sich aus dem festen Glauben an objektiv gültige Wahrheiten speist; so handelt beinahe die ganze Religionsgeschichte von der Herabwürdigung bis zur Ermordung Andersdenkender. „Gotteskrieger“ mit einem bornierten Exklusivitäts- und Überlegenheitsanspruch gab es auch im Abendland.

Ich verdanke der Ethnologie ohne Zweifel wesentliche Schlüsselerkenntnisse meines Lebens, das auch immer um das Thema Selbsterkenntnis kreist. Denn nichts ist spannender als der Mensch. Unser Wissen über uns selbst ist inzwischen zwar beträchtlich erweitert worden, in den Lehrplänen der Schulen hat sich das aber bisher nicht wirklich niedergeschlagen. Wir fragen selten danach, warum wir uns so verhalten, wie wir uns verhalten. Dabei liegt darin der Schlüssel unserer gesamten Probleme verborgen, die sich – zumindest in der westlichen Welt – auf zweierlei Weise zeigen: im Verhältnis des Menschen zur Natur und im Verhältnis des Menschen zu seinen Artgenossen. Was den ersten Punkt betrifft: Noch immer herrscht das anthropozentrische Weltbild abendländischer Prägung vor, das besagt, dass die Natur für den Menschen gemacht wurde und ihr Wert lediglich in dem „Nutzen“ liegt, den sie für Homo sapiens sapiens hat. In diesem hierarchischen Denkgebäude, das ein Herrschaftsverhältnis formuliert, wird die Natur als Gegner und Beute des Menschen begriffen. Viele Kritiker des verschwenderischen Lebensstils im reichen Norden verstehen die schleichende Umweltzerstörung als bloße Projektion der eigentlichen Innenweltzerstörung, die im Menschen selber stattfindet. Hier liegt ihrer Ansicht nach die Wurzel des Übels. Seit wir nur noch unserem persönlichen materiellen Vorteil auf Kosten der Natur oder unserer Mitmenschen hinterherjagen, schreitet die Sinnentleerung unseres Lebens fort und breitet sich die soziale Kälte in der Gesellschaft aus. Der Wohlstandsmensch unserer Tage ist oft geistig-moralisch unterernährt. Das ist eine Grundsignatur unserer Zeit. Ich habe dazu ebenfalls ein Buch geschrieben („Keine Angst vor den Angstmachern!“, 2010), das ich exklusiv auf diesen Internet-Seiten zur Verfügung stelle. Ich bin davon überzeugt, dass wir in vielen Bereichen schleunigst umdenken müssen, sonst fahren wir die Menschheit und diesen Planeten gegen an die Wand. Darauf möchte ich aufmerksam machen und zum weltweiten Mitdenken an Lösungen einladen.

Zurück zum Lebenslauf: Mein erster „journalistischer“ Artikel befasste sich mit den aktuellen Lebensumständen der San (Wildbeuter) in der Kalahari. Weil mir das Schreiben gefiel und es meiner Familie auch eine bessere wirtschaftliche Zukunft versprach, machte ich ein Zeitungsvolontariat und wechselte ganz in diesen Beruf. Für die meiste Zeit arbeitete ich seitdem als Nachrichtenredakteur. Während dieser Zeit wurde ich außerdem in Ethnologie promoviert (1996). Die Beziehung zu diesem Fach war nie abgebrochen und hat auch mein journalistisches Tagesgeschäft immer wieder bei der Wahl von Themen inspiriert. Seit Frühjahr 2010 bin ich freigestellter Betriebsratsvorsitzender; das wäre dann meine dritte berufliche Neuerfindung: Völkerkundler, Journalist und Sozialmanager. Irgendwie bin ich heute alles in einem.

In unserem Leben ist so viel Sinn und Bedeutung, wie wir ihm zu geben vermögen. Die philosophische Dimension unserer Existenz fesselt mich seit je her viel mehr als die mathematisch-betriebswirtschaftliche. Ich bin davon überzeugt, dass wir Menschen viel eher das sind, was wir werden können als das, was man uns zuschreiben möchte. Mein eigene Biografie ist ein Beispiel dafür. Vom Arbeitermilieu habe ich mich weit entfernt. Milliarden Menschen leben aber unter ihren Möglichkeiten, was die Frage aufwirft, in welcher „Gesellschaft“ wir überhaupt leben wollen. Dabei ist es hilfreich, über den eigenen Tellerrand zu schauen:
Die Selbsterkenntnis und -beschreibung des Menschen muss keineswegs an den Grenzen der eigenen Gesellschaft und Kultur Halt machen. Es gibt mehr Antworten zu entdecken, als wir kennen.

Welche Rolle man in dieser Welt für sich erkennt, hängt davon ab, was für einen selbst Menschsein bedeutet. Ich teile nicht die Ansicht, dass ich in erster Linie hier auf Erden bin, um für mich „den besten Schnitt“ zu machen. Ich will stattdessen an einer gerechten Gesellschaft in einer globalisierten Welt mitwirken. Warum soll es nicht gelingen, die Welt so zu verändern, dass es darin allen gut geht und sie für jeden menschlicher wird? Ich glaube, dass dieser Wunsch viele Menschen, die sich (noch) nicht kennen, verbindet. Das ist ein wohltuender Gedanke, der mich anspornt. Ein „Weltverbesserer“, wird der eine oder andere jetzt vielleicht mit dem typischen verächtlichen Unterton sagen, der nicht nur in Chefetagen zum Zeitgeist gehört. Ich würde Folgendes darauf erwidern: Weltverbesserer haben nur deshalb so ein negatives Image, weil in den Machtzentralen meistens die Weltverschlechterer in der Mehrzahl sind!  “Wir können aus der Erde keinen Himmel machen, aber jeder von uns kann twas tun, daß sie nicht zur Hölle wird.” (Fritz Bauer, 1903-1968, deutscher Jurist und Nazijäger)  Darin liegt unsere Verantwortung als Mensch.

Auf meinen Seiten möchte ich Sie ein wenig auf dieser Reise mitnehmen. Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!